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Erfahrungsbericht: Zero SR/S Premium im Test

Erfahrungsbericht: Zero SR/S Premium im Test

E-Mobilität ist langweilig und emotionslos? Das wollen wir testen und fahren die Zero SR/S mit 110 PS und sagenhaften 190 Nm!

Zero SR/S im Test

Kurz zusammengefasst: Mit der Zero SR/S verwandelt Zero sein Nakedbike SR/F in ein etwas tourentauglicheres E-Motorrad. Die wichtigsten Änderungen sind die Verkleidung für den besseren Windschutz, eine angenehmere Sitzposition dank höheren Fußrasten und bequemerer Sitzbank. Dazu kommen ein hoher Lenker und ein Fahrwerk, welches für den Soziusbetrieb abgestimmt wurde.

 

Technische Daten

Eigenschaft Zero SR/S Premium
Leistung 110 PS Spitzenleistung bei 5000 U/min,
Drehmoment 190 Nm
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Reichweite (Herstellerangabe) Bis zu 320 km (mit Powertank)
Reichweite (Praxis, gemäßigte Fahrweise) Ca. 200 km (ohne Powertank)
Reichweite (Praxis, sportliche Fahrweise) Ca. 130 km (ohne Powertank)
Ladezeiten (Praxis, bis 95%) Ca. 4 Stunden (230V-Steckdose), ca. 2 Stunden (Typ-2 Ladesäule)
Elektronikpaket Bosch-ABS, -Traktionskontrolle,
Fahrmodi 4 Voreinstellungen & bis zu 10 individuelle Modi
Fahrzeuggewicht 234 kg
Preis 23.740 €

Uns sind die vielen – sehr politischen – Themen rund um die Elektromobilität bekannt. In diesem Test wollen wir aber rein auf die Fahreigenschaften der Zero SR/S eingehen. Wie es um die Nachhaltigkeit steht, möchten wir nicht kommentieren – dazu gibt es schon ausreichend Material im Netz. Für uns stehen hier Fahrspaß, Reichweite und Handling im Fokus.

 

E-Mobilität vs Motorradtouren?

Viele werden sich jetzt fragen: Wie zur Hölle soll ein E-Motorrad mit E-Motor und maximal 259 Kilometern Reichweite laut Prüfstand tourentauglich sein? Genau das haben wir uns auch gefragt! In unseren ersten flotteren Runden haben wir herausgefunden, dass bei zügiger Fahrweise in den Kurven und entspannter Fahrt auf geraden Strecken rund 140 bis 160 Kilometer realistisch sind – bis entspannter Fahrt mit viel Sightseeing und wenig Zug am Hahn auch sicherlich 200. Eine Tour über rund 300 Kilometer mit gemäßigter Fahrweise kann also gar nicht mit einer Akkuladung angetreten werden. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Kombination aus guter Planung der Tour und einer ausführlichen Pause.

In Sachen Ladezeit liefert Zero wirklich gute Arbeit. Der 14,4 KWh-Akku von ZF ist innerhalb von 2 Stunden wieder zu 95% aufgeladen, wenn er an einer Ladesäule mit genug Power und Typ 2-Stecker angesteckt ist. An einer normalen Haushaltssteckdose dauert der gleiche Ladevorgang grob vier Stunden. Hier stimmen die angegebenen Daten vom Hersteller bis auf wenige Minuten Unterschied genau mit unseren praktischen Erfahrungen überein – super!

Es ist also kein Problem entspannt 100 Kilometer in eine kurvige Gegend zu fahren, dann dort die restlichen 30% der Akkuladung zu verpulvern, dann bei einem gemütlichen Mittagessen und isotonischem Getränk das Bike zu laden und anschließend wieder zurückzufahren.

Wer mehr Fahrspaß braucht, wird diesen auf seiner Hausstrecke haben. Dort könnt ihr die volle Akkuladung in reinen Fahrspaß umwandeln, sofern die Strecke nicht länger als etwa 130 Kilometer weit ist.

 

Vorschub ohne Ende

Am beeindruckendsten ist jedoch das brachiale Drehmoment des Elektromotors, der irre Beschleunigungsorgien zulässt. Wir haben ein paar andere Motorradfahrer auf dem Soziussitz mitgenommen, um ihnen das Gefühl des traumhaften Vortriebs näherzubringen. Die Kollegen waren durchaus leistungsstarke Bikes wie 600er Supersportler oder 1000ccm-Nakedbikes gewohnt – also perfekte Voraussetzungen für eine kleine Überraschung – Alle hatte später ein breites Grinsen auf dem Gesicht!

 

Zero SR/S Premium im Test Fahrbild 2

 

Grund dafür ist wahrscheinlich nicht nur die unvorstellbare Beschleunigung, sondern die Leichtigkeit, die die SR/S versprüht. Der E-Motor schiebt das 234 Kilogramm schwere Bike ohne mit der Wimper zu zucken nach vorn – bei jeder Drehzahl! Egal, in welcher Situation ihr den elektronischen Gasgriff aufreißt: das Bike rennt nach vorn! Das macht nicht nur höllischen Spaß, sondern ist auch sehr hilfreich. Überholwege verkürzen sich damit drastisch. Es gibt auf unseren Lieblingsstrecken kurze gerade Stücke, wo wir mit keinem Bike bisher auch nur über einen Überholvorgang nachgedacht haben. Die SR/S hat beschleunigt aber so enorm, dass selbst dort teilweise gleich zwei Fahrzeuge stehengelassen wurden – wirklich beeindruckend!

 

Elektromobilität ist langweilig? Absolut nicht!

Viele Kritiker der E-Mobilität vermissen Sound, Emotionen, Vibrationen und Power. Zugegeben: das schrille Fiepen am Kurvenausgang bei Vollgas ist wirklich alles andere als erfüllend. Der Rest fehlte uns aber keineswegs. Es fühlt sich an, als sitze man auf Bike mit technisch einwandfreiem Antrieb, das jeden gewünschten Befehl haargenau umsetzt.

Nach einer der ersten Fahrten haben wir die Zero SR/S ans Ladekabel gehangen und sind mit unserer Suzuki SV 650 weitergefahren – wir dachten wirklich das Motorrad sei kaputt! Die Verzögerung bis zur Umsetzung des Gasbefehls dauert gefühlt eine Ewigkeit und Drehmoment baut die kleine SV dann auch nicht mehr auf. Das hatten wir ganz anders in Erinnerung! Keine Sorge: Der Suzuki geht es gut. Wir waren lediglich den beinahe verzögerungsfreien, linearen E-Antrieb gewöhnt.

 

 

Ungewohnt ist vor allem der Griff ins Leere, wenn man beim ersten Anhalten an der Ampel die fehlende Kupplung ziehen will. Nach einigen Minuten gewöhnt man sich er aber daran, dass die Linke Körperhälfte „Pause“ macht, denn schalten müssen wir ja auch nicht mehr. Anfangs fehlte es uns, später haben wir den großen Vorteil davon erfahren!

Wer gerne spät bremst und mit händischem Zwischengas ohne Blipper vor der Kurve herunterschaltet wird es kennen: Ein wenig stressig ist es schon, den Druck an den beiden Bremsen zu modulieren und gleichzeitig mehrere Gänge möglichst ohne einen Ruck im Antriebsstrang durchzuschalten. Dabei sind alle Gliedmaßen voll im Einsatz. Mit der SR/S konnten wir uns voll auf das Bremsen konzentrieren und viel entspannter in der Kurve einlenken. Reine Tourenfahrer mit ruhiger Fahrweise wird das nicht interessieren, die sportlichen Jungs und Mädels unter euch aber vielleicht schon!

Die maximale Höchstgeschwindigkeit der SR/S liegt bei 200 Stundenkilometern. Mit vollem Akku rennt die Zero sogar gut spürbar in die Begrenzung. Wenn der Akku langsam leerer wird, nimmt das Beschleunigungsvermögen immer mehr ab. Wer mit halbvollem Akku fährt, wird kaum einen Unterschied bemerken. Wenn aber nur noch 30% Akkuladung oder weniger zur Verfügung stehen, verliert die elektrische Amerikanerin den initialen Schub, wenn man am Kabel zieht, und geht ein wenig sanfter zu Werk.

 

Bremsen & Fahrwerk

Wenn wir schon beim Thema Bremsen sind, wollen wir hier gleich ein paar Worte mehr verlieren. Zero bedient sich für die Negativbeschleunigung beim spanischen Hersteller J.Juan – vielleicht nicht jedem ein Begriff, die Bremskomponenten sind aber super! Teilweise fahren auch die Topsportler der MotoGP mit Bremsen aus den Reihen von J.Juan. So zurück zur SR/S: Hier sind vorne zwei Vierkolben-Radialsättel auf 320mm Scheiben montiert. Hinten ein Schwimmsattel auf einer 240er Scheibe. Serienmäßig werden schon für die Vorderachse eingesetzt. Gemeinsam mit der Radialbremspumpe und den Pirelli Rosso III-Sportreifen erzeugt das ein wunderbares Gefühl.

Wir wissen: wir schwärmen viel über die SR/S, doch natürlich gibt es auch Negativpunkte. Eines davon ist die werksseitige Auslegung des Fahrwerks. Aus unserer Sicht war es etwas zu hart und lässt sich von kleineren Schlaglöchern in der Kurve recht schnell aus der Ruhe bringen. Mit einem weicheren Gabelsetup (besonders Federvorspannung und Zugstufe) wären wir etwas besser bedient. Aber zum Glück lässt sich das Fahrwerk gut einstellen. Hier kann jeder also ein wenig spielen, bis das Motorrad so fährt, wie der Fahrer es gern möchte.

 

Gewicht & Sitzposition

Mit rund 230 Kilogramm ist die Zero SR/S das bisher schwerste Motorrad, das wir je gefahren sind – aber auch die erste Tourer. Was uns wirklich beeindruckt hat: Die große Fahrzeugmasse, die das Rangieren wirklich unkomfortabel macht, verschwindet einfach, wenn sie einmal in Bewegung ist. Die SR/S lenkt gehörig ein und lässt auch ordentlich Schräglage zu bis die Fußrasten aufsetzen. Kleine Korrekturen am Kurvenradius sind schnell und mit wenig Druck am Lenker möglich – wie angesprochen pumpt die Gabel nach Unebenheiten in Schräglage mit höherer Geschwindigkeit ein wenig und braucht etwas Zeit, bis sie sich wieder gefangen hat.

 

Zero SR/S Premium im Test Fahrbild
Aufrechte, bequeme Sitzposition

 

Aus unserer Sicht mit eher wenig Erfahrung im Tourer-Segment war die Sitzbank der Zero SR/S ein wahrgewordener Traum für unseren Hintern. Er kennt aber auch fast nur den eher unbequemen Sitz der SV 650 und das dünne Moosigummi auf dem GFK-Heck der rennfertigen R6. Deswegen haben wir mal Freunde probesitzen lassen, die häufiger mit vergleichbaren Bikes fahren. Diese sagten, der Sitz sei recht hart für ein Tourenmotorrad.

 

Fazit

Die erste Fahrt auf der SR/S war betörend: Maximale Power in jeder Fahrsituation, genug Reichweite für kurze Spaßtouren und – aus unserer Sicht – viel Sitzkomfort. Wer auf größere Tour gehen will muss einige lange Pausen in der Nähe von Lademöglichkeiten einplanen und gut mit der Akkuladung haushalten. Mit sinkendem Akkustand wird die Zero zwar müder, eigentlich steht aber trotzdem ein riesiger Drehmomentberg zur Verfügung. Das große Gewicht ist gar kein Problem, sobald das Motorrad in Bewegung ist und ist dann wie weggezaubert. Uns hat besonders das unruhige, etwas zu harte Gabelsetup gestört, welches sich aber zügig ändern lässt.

Insgesamt ein solides Motorrad, das aber noch nicht für den großen Wurf (oder die große Tour) bereit ist, aber auf der Hausstrecke irren Fahrspaß mit hohem Komfort vereint. Was uns aber stört ist das Preisschild, das Zero an die SR/S hängt. Wir sind das Premium-Modell gefahren, das für rund 24.000 Euro verkauft wird – eine ordentliche Stange Geld!

 

Zero SR/S Premium im Test Fazit

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Niklas Schäfer

motivierter Tourenfahrer, leidenschaftlicher Schrauber und angehender Hobby-Rennfahrer - von allem etwas!

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