Panther-Racing: Familiäre Atmosphäre in Mettet

Rennfahrer sind eine große Familie! Dieses Motto lebt Panther-Racing förmlich und verbindet die enthusiastische Zeitenjagd mit einem freundlichen Team, lockerem Umgang und einer einwandfreien Organisation.

 

Rennstrecke Mettet: kurz, technisch und kräftezehrend

Der Circuit Jules Tacheny in Mettet hat ein ganz eigenes Flair. Während andere Rennstrecken kilometerweit ausgeschildert werden, hätten wir die Einfahrt zum knapp 2,3 Kilometer langen Rundkurs beinahe verpasst. Wer am Bikerstammtisch damit prahlen möchte, auf welchen hochkarätigen Strecken er bereits gefahren ist, wird Mettet vielleicht nicht als erstes nennen. Kenner werden aber wissen, dass die kurze Strecke hohe Ansprüche an den Fahrer und das Motorrad stellt.

Das Layout des Circuit Jules Tacheny zeigt bereits, dass es kaum Raum für Erholungspausen gibt. Keine langen Geraden, um kurz zu entspannen. Enge Kurven und harte Beschleunigungs- und Bremsmanöver machen die Strecke aus. Daraus resultiert: Wer sein Bike nicht perfekt beherrscht, verliert viel Zeit – eine starke Motorisierung kann nur kleine Fehler ausbessern. Obwohl die Strecke mit gerade einmal zehn Kurven schnell eingeprägt ist, braucht es einige Zeit, alle anderen Herausforderungen kennenzulernen. Wer seine Fahrtechnik aufbessern möchte, ist hier genau richtig!

 

Das enge Layout deutet bereits auf den hohen technischen Anspruch hin. (Quelle: www.circuit-mettet.be)

 

Mit der „Schikane de Radigues“ – besser bekannt als „Mini-Corkscrew“ – bietet der kurze Kurs im belgischen Westen ein Highlight, das sonst nur aus den USA bekannt ist. Der Verlauf der Kurven 6 und 7 erinnert an die berühmte Corkscrew des Laguna Seca Raceways in Kalifornien. Mettets Rennstreckenkonstrukteure kombinieren eine enge Links-Rechts-Schikane mit einem starken Gefälle. Wer den blinden Eingang verpasst, verliert viel Speed. Wer zu früh einlenkt und den Curb zu hart überfährt, hebt mit beiden Rädern vom Boden ab – eine riesige Belastung für Mensch und Maschine.

 

Erster Ritt auf einer Supersportler

Für uns war nicht nur die Strecke absolutes Neuland, sondern auch das Motorrad. Anstelle der gedrosselten Suzuki SV 650 mit schlappen 48 PS, bequemem Sitz und weichem Fahrwerk pilotierten wir eine Yamaha YZF-R6 RJ03 im kompromisslosen Renntrimm. Gut 110 Pferdestärken und zwei Zylinder mehr schieben deutlich williger an, fordern aber auch ganz andere körperliche Leistungen. Gleiches gilt für die radikale Sitzposition: das höhere Heck und die tiefen Stummellenker machen das Motorrad zwar viel wendiger, zwingen seinen Fahrer aber auch dazu, die liegende Position anzunehmen – im Vergleich dazu thront der Fahrer auf einer SV 650 wie auf einer Sänfte! Hinzu kommt die klassische Motorcharakteristik des 599ccm-Motors: keine Leistung bis zehn, dafür umso mehr Dampf zwischen 12 und 16 Tausend Touren. Wer noch nie auf einem solchen Motorrad gesessen hat, kann sich vorher kaum ausmalen, welche Power die kleine 600er schlagartig freisetzt.

Die kompromisslose Auslegung für die Rennstrecke trug aber schnell Früchte: In Kurven bleibt das superleichte Motorrad stabil, lässt sich in Wechselkurven aber wunderbar umlegen. Mit den optimierten Fahrwerkskomponenten lassen sich Unebenheiten deutlich diffiziler erfühlen. Besonders positiv überrascht hat die straffe Gabel. Selbst bei harten Bremsmanövern taucht das Motorrad nur wenig ein und bietet noch viel Spielraum um beherzt in die Kurve reinzurollen.

 

Ein reinrassiges Rennmotorrad – kein Komfort, dafür perfekte Agilität

 

Nach rund drei Turns wurden wir langsam aber sicher Herr über die Maschine und konnten auf Zeitenjagd gehen. Immer häufiger schlossen wir zu anderen Fahrern auf, sogar erste Überholversuche waren möglich. Zum Ende der zweitägigen Veranstaltung gehörten wir immerhin zu den schnellsten Fahrern der zweiten Gruppe. Auch wenn ein solches Renntraining keine direkten Zweikämpfe vorsieht, entstand ein netter Dreikampf mit einer BMW S100oRR und einer Honda CBR 1000 RR Fireblade. Die beiden Literbikes machten auf den Geraden einige Meter gut,  die 600er Yamaha konnte hingegen in den kurvigen Abschnitten punkten. Mutig klemmten wir uns ans Heck der BMW und beobachteten die Linie. Bremspunkte können mit der 160 Kilogramm leichten R6 deutlich später gesetzt werden, auch der Kurvenspeed war etwas besser. Schnell kochten die Erinnerungen an die zwei Tage in Oschersleben hoch: Mit der untermotorisierten SV 650 versuchten wir Mitte Mai, 600er anzugreifen. Zwar bot die R6 nun mehr als die doppelte Leistung, die anderen Fahrer zogen auf der Geraden aber trotzdem schnell davon. Mit genügend Ehrgeiz und viel Vertrauen ins das Motorrad hat es aber doch geklappt, zu überholen und davonzufahren!

 

Einwandfreie Organisation

Eine gelungene Veranstaltung lebt jedoch nicht allein von der Kombination aus Strecke und Motorrad. Die Organisation des Veranstalters spielt eine sehr große Rolle und entscheidet darüber, wie geordnet die euphorische Zeitenjagd abläuft. Am Abend vor der Veranstaltung wurden alle Personalien aufgenommen und alle Motorräder auf technische Probleme überprüft. Ein Streckenrundgang mit den späteren Instruktoren für alle interessierten Teilnehmer durfte auch nicht fehlen.

Sehr positiv ist uns aufgefallen, dass der zeitliche Ablauf bis auf wenige Minuten perfekt eingehalten werden konnte. Alle Turns starteten mit maximal zwei Minuten Verspätung, sodass alle Fahrer konzentriert und mit heißen Reifen in die erste Runde starten konnten. Gerne beschweren sich Teilnehmer darüber, dass Turns zu schnell abgebrochen werden, falls ein anderer Fahrer zu Sturz kommt – auch wenn einige unserer Turns vorzeitig beendet worden sind, stehen wir hier klar hinter dem Veranstalter und den Rennleitern. Die Sicherheit geht immer vor. Für uns war es sehr beruhigend, dass die Strecke bei scheinbar übleren Crashs zügig geräumt worden ist, um einen Arzt losschicken zu können. Wir verzichten gern auf ein paar Minuten auf der Strecke und behalten im Kopf, dass es auch uns treffen könnte.

 

Auch die Boxenmiete ist glücklicherweise erschwinglich

 

Schön war ebenfalls, dass der Veranstalter gerne auf alle Anliegen seiner Teilnehmer eingegangen ist. Egal ob Wünsche nach einem Gruppenwechsel, Fragen zum weiteren Ablauf oder technische Probleme am Motorrad: Fast jedem konnte geholfen werden. Zusätzlich bietet das Team Instruktionen für Einsteiger, Fortgeschrittene und schnelle Fahrer, die noch weitere Hundertstel abknabbern wollen.

 

Entspannte Abendveranstaltung und kleiner Preis

Das Team von Panther-Racing erscheint uns wie als eine Art Rennfahrer-Familie. Abends saßen einige Fahrer, Instruktoren und Organisatoren gemütlich zusammen und erzählten angeregt von ihren Erlebnissen. Die Geschichten von anderen Rennfahrern sind für Einsteiger wie uns immer wieder ein Genuss. Beinahe kann man sich die Zweikämpfe aus den Erzählungen bildlich vorstellen. Zudem lohnt es sich, die Lauscher bei solchen Unterhaltungen besonders weit aufzustellen, denn hier und da lassen sich noch weitere Kniffe für den eigenen Fahrstil heraushören.

Motorsport ist sehr teuer, das steht außer Frage. Wir haben uns aber gewundert, dass der Preis für zwei volle Tage bei nur 250 Euro liegt. Für diesen Preis können auch Hobbyracer mit knappem Budget regelmäßig trainieren und müssen nicht auf einen Reifendienst oder Zweirad-Mechaniker vor Ort verzichten. Das Angebot ist aus unserer Sicht sehr fair. Deshalb werden wir auch im nächsten Jahr weitere Veranstaltungen von Panther-Racing  besuchen und würden uns freuen, den ein oder anderen dort wiederzutreffen.

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