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Einbauanleitung: Wirth Gabelfedern | SV 650 Caferacer

Einbauanleitung: Wirth Gabelfedern | SV 650 Caferacer

Mit strafferen Wirth Gabelfedern ist die Front der Suzuki SV 650 nicht mehr so lasch. Wir zeigen euch alles rund um den Einbau.

Grund für den Umbau

Seitdem wir auf der Suzuki SV 650 aus 2017 (Gabel baugleich seit 2016) einen sportlicheren Fahrstil pflegen, stört die weiche Gabel. Sowohl auf der Rennstrecke als auch im Straßenverkehr taucht sie bei starkem Bremsen enorm tief ein. Auch Bodenwellen bringen sie hin und wieder in Schwierigkeiten. Deshalb helfen wir mit strafferen Federn von Wirth nach. Unsere Erfahrungen mit den neuen Federn werden wir in einigen Wochen teilen.

Grundsätzlich raten wir dazu, den Umbau in einer Fachwerkstatt durchführen zu lassen. Ein Fehler im Einbau kann zügig zu Beschädigungen oder schlechterem Fahrverhalten führen; dann ist der fachgerechte Einbau in der Fachwerkstatt wahrscheinlich sogar günstiger als die Reparatur/Korrektur eurer Fehler. Wer sich den Umbau selbst zutraut, kann jetzt loslegen.

 

Vorbereitungen

Spezialwerkzeug wird für den Umbau nicht benötigt. Es reicht ein klassischer Ratschenschlüsselsatz sowie einige Inbus-Schlüssel. Allerdings muss die Gabel für den Umbau entlastet werden. Am elegantestes gelingt das mit einem Montageständer, der in den Lenkkopf greif. Alternativ kann die Front das Motorrads aber auch mit Spanngurten zum Beispiel an einem Stahlträger der Garage aufgehangen werden. Bitte achtet generell auch auf enorme Sauberkeit. Putzt alle Teile, die ihr ein- oder ausbaut, einmal gründlich; bei Dichtungen und anderen fragilen Bauteilen bitte keinen Bremsenreiniger/Multireiniger verwenden!

Werkzeug & Teile

 

Umbau im Überblick

  1. Vorderrad demontieren
  2. Kotflügel & Bremsleitungen von der Gabel trennen
  3. Falls nötig Lenker demontieren
  4. Gabelfedern & Distanzhülsen herausnehmen
  5. Gabelholme lösen
  6. Gabelöl ausgießen
  7. Gabelholme einbauen
  8. Neue Federn & Distanzhülsen einsetzen
  9. Neues Gabelöl einfüllen
  10. Gabelholme verschließen
  11. Kotflügel, Bremsleitungen & Vorderrad einbauen
  12. Ggf. Lenker montieren
  13. Ggf. Bremse entlüften

 

Wechsel der Gabelfedern

Demontage des Vorderrades

Zunächst einmal stellen wir das Motorrad auf einen Heckständer, damit es ohne unser Zutun gerade steht. Im ersten Schritt lösen wir das Vorderrad. Dafür müssen die Bremssättel von den Bremsscheiben heruntergenommen, die Gabelklemmung am rechen Holm gelöst und die Achse demontiert werden. Die Bremssättel sind auf beiden Seiten mit zwei Schrauben am Gabelfuß verschraubt. Dreht die Schrauben direkt wieder ins Gewinde, sobald ihr die Bremssättel von den Scheiben getrennt habt. Jetzt bitte keinen Bremsdruck über den Bremshebel mehr aufbauen – ansonsten fallen die Bremskolben heraus. Beim Lösen der Steckachse muss das Rad von unten leicht gestützt werden. Möglicherweise löst sich bei der Demontage des Rades eine Distanzhülse. Diese muss zentral auf der linken Seite der Felge wieder eingesetzt werden. Ihr erkennt die links Seite unter anderem am ABS-Ring. Das Vorderrad legen wir erstmal zur Seite.

 

Wirth Gabelfedern SV 650 Umbau Vorbereitung
Stabile Ständer erleichtern den umbau enorm

 

Lösen von Kotflügel & Bremsleitungen

Später möchten wir die Gabelholme einzeln herausnehmen, um das Öl auszugießen. Deshalb müssen alle Teile gelöst werden, die beide Gabelholme verbinden. Im Falle der Suzuki SV 650 sind das der vordere Kotflügel, die Bremsleitungen und das Kabel des ABS-Sensors. Die Brems- und ABS-Leitungen werden von unterschiedlichen Clips gehalten. Mittig am hinteren Ende des Kotflügels sitzt ein Kunststoffclip, dessen Spitze von unten zusammengedrückt werden muss, um ihn zu entnehmen. Zusätzlich sind die Bremsleitungen rechts und links jeweils einem weiteren Blech fixiert. Dafür müssen einzelne Schrauben gelöst werden. Ihr könnt die Schrauben nur ein stückweit herausdrehen und könnt die Leitung schon lösen. Lasst die Schraube gleich im Gewinde, dann geht sie nicht verloren. Anschließend wird der ABS-Sensor gelöst. Wenn ihr ihn aus seiner Vorrichtung herauszieht, seid vorsichtig, dass die Vorderseite nicht verkratzt wird. Diese Bauteile sind recht empfindlich. Jetzt sollten die beiden Holme nur noch vom Kotflügel zusammengehalten werden.

Der Kotflügel ist mit vier Schrauben befestigt. Zwei Innensechskantschrauben sind von außen sichtbar. Zwei weitere Außensechskantschrauben verstecken sich innen. Diese lösen wir allesamt, nehmen den Kotflügel heraus, legen ihn zum Vorderrad und drehen die Schrauben direkt wieder in die Gewinde der Gabelfüße. Dort gehen sie nicht verloren und stören nicht.

 

 

Gabelfedern entnehmen

Nun ist es an der Stelle zu prüfen, ob die oberen Verschlüsse der Gabel mit einem Steckschlüssel erreichbar sind. In unserem Fall ist der flachere Lenker aus dem Zubehör leider im Weg, deswegen muss er weichen. Wir lösen nur die vier Schrauben an den Klemmböcken und kippen den Lenker inklusive aller Armaturen nach hinten. Als nächstes gilt es, die Gabel zu öffnen. Dafür lösen wir die nun frei erreichbaren Verschlusskappen der Gabel. Während des Losschraubens immer Druck nach unten ausüben. Das Gewinde im Inneren ist sehr fein und könnte durch die Vorspannung der Feder beschädigt werden. Wenn ihr merkt, dass das die Kappe nicht mehr im Gewinde sitzt, vorsichtig den Druck lösen. Dabei müsste die Kappe herauskommen. Jetzt seht ihr eine Distanzhülse. Diese nehmt ihr heraus. Darunter verbergen sich eine Unterlegscheibe und die Gabelfeder. Beide lassen sich mit einem umgebogenen Draht gut herausnehmen. Die Feder zieht ihr schön vorsichtig heraus, sodass möglichst kein Tropfen Öl danebengelangt. Bevor es weitergeht, drehen wir die Verschlusskappe wieder handfest in das Gewinde.

 

 

Gabelholme demontieren

Jetzt stellen wir es auf einen Frontständer, um das Vorderrad etwas anzuheben. Dabei achten wir direkt darauf, dass es unter einem stabilen Stahlträger der Garage steht. Wir führen einen Spanngurt durch den Rahmen und zurren das Bike am Träger nach oben, damit es freischwebt. Jetzt darf der Frontständer unter dem Bike weggezogen werden.

 

Gabelfedern SV 650 Umbau Spanngurt
Ein breiter Spanngurt reicht aus

 

Als nächstes möchten wir die Gabelholme einzeln entnehmen und das Öl in einen Messbecher gießen. Dafür müssen die Klemmungen beider Gabelbrücken gelöst werden. Die untere Gabelbrücke wird mit zwei Schrauben geklemmt. Die obere der beiden Schrauben sitzt nah am Scheinwerfergehäuse. Wer Angst hat, dieses zu verkratzen, kann den Scheinwerfer demontieren, muss ihn später aber wieder korrekt einstellen. Wir verzichten darauf; mit schmalem Werkzeug und etwas Vorsicht gelingt es auch so. Zunächst lösen wir die beiden Schrauben an der unteren Gabelbrücke. Ihr braucht sie nicht ganz herausdrehen. Sobald ihr merkt, dass sie sich spürbar leichter drehen, ist der Holm frei. Jetzt löst ihr die obere Klemmung. Vorsicht, gleich rutscht der Gabelholm nach unten. Wer besonders vorsichtig ist, kann eine Polster unterlegen. Es reicht aber auch, den Holm mit einer Hand festzuhalten. Jetzt zieht ihr ihn langsam nach untern heraus.

 

Gabelfedern SV 650 Umbau Holm rausziehen
Gabelholm herausziehen

 

Vermutlich werdet ihr an der ein oder anderen Stelle leichten Rost sehen; vor allem im Bereich der unteren Gabelbrücke. Hier könnt ihr kurz mit etwas Chrompolitur ansetzen.

 

Gabelholme ausgießen

Nun kommt der Messbecher zum Einsatz. Stellt ihn auf den Boden und gießt das gesamte Gabelöl aus dem Holm in den Becher. Wenn der letzte Tropfen herausgeflossen ist, markiert euch den Stand am Becher. Die Ölmenge bestimmt später die Härte der Gabeldämpfung. Je mehr Öl ihr hineingebt, desto härter ist die Dämpfung. In unserem Fall waren in beiden Holmen etwa 470 Milliliter. Leert den Becher aus (natürlich nicht in die Umwelt, sondern in ein passendes Gefäß zur Entsorgung) und wiederholt den Vorgang mit dem zweiten Gabelholm. Hier solltet ihr ein ähnliches Volumen herausbekommen.

 

Gabelfedern SV 650 Umbau Holm ausgießen
Zur Bestimmung des Ölvolumens ohne Feder messen

 

Gabelholme wieder montieren

Endlich bauen wir das Motorrad wieder zusammen. Die Gabelholme setzt ihr wieder behutsam in die Klemmungen. Zieht die Klemmungen bitte nicht zu fest, ansonsten schadet ihr dem empfindlichen Tauchrohren und könnt großen Schaden anrichten.

 

Federn, Distanzhülsen & frisches Öl

Bei der korrekten Einbauweise von Progressiven Federn scheiden sich die Geister. Die einen stellen den enger gewickelten Teil nach unten, um den Schwerpunkt möglichst tief zu halten. Andere montieren die Feder mit der engeren Wicklung oben, um das richtige Luftpolster bei gleicher Ölmenge zu behalten. Wer von einer linearen Feder wie bei der SV 650 auf eine progressive Feder umrüstet, kann möglicherweise auf das Öl verzichten. Hier sind die Herstellerangaben zu beachten. Wir haben uns dazu entschieden, die enge Wicklung nach unten legen und füllen weniger Gabelöl ein. Der Durchmesser unterscheidet sich bei den Wirth Gabelfedern oben und unten nicht, sodass es keine Probleme der Zentrierung der Feder gibt.

Sofern auch neue Unterlegscheiben und Distanzhülsen im Lieferumfang enthalten sind, werden diese durch die Originalteile ausgetauscht. Wirth legt in unserem Fall Neuteile bei, da die neue Gabelfeder bedeutend länger ist als das Originalteil. Dementsprechend fällt die Hülse kürzer aus. Zuerst legt ihr die Unterlegscheibe auf die Feder, dann drückt ihr die Distanzhülse herein. Scheinbar arbeitet Wirth auch mit einer stärkeren Federvorspannung, denn die Hülsen stehen einige Zentimeter oben aus dem Gabelholme heraus. Wie schon erwähnt geben wir etwas weniger Gabelöl als Original in die Gabel, genau 450 Milliliter pro Seite. Jetzt braucht es eine zweite Person mit ordentlich Kraft, um die Feder mit der Verschlusskappe zusammenzudrücken und die Kappe direkt zu verschrauben. Damit sollte die Gabel nun insgesamt straffer federn, aber ihre Progressivität behalten. Jetzt kann gerne mit der Ölmenge experimentiert werden, bis das Ergebnis den eigenen Ansprüchen gerecht wird. Je größer das Luftpolster ist, desto weicher wird die Gabel. Wenn ihr mehr Öl dazugebt, wird sie entsprechend härter. Vor allem bei linearen Federn ist ein gutes Luftpolster enorm wichtig – Flüssigkeiten lassen sich nicht komprimieren, Gase (Luft) hingegen schon. Eine gute Balance von Öl und Luftpolster ist das A und O für die richtige Abstimmung. Bei einer progressiven Feder dient das Öl im Regelfall nur der Dämpfung und Schmierung. Außerdem kann über die Viskosität des Öls bestimmt werden, wie schnell oder langsam die Dämpfung geschehen soll. Je dickflüssiger das Öl ausfällt, desto langsamer arbeitet die Federung. Es gibt also zahlreiche Stellschrauben für das perfekte Setup.

 

Anbauteile & letzter Check

Nachdem die Gabelholme mit neuen Innereien bestückt und montiert sind, folgen die vorher demontierten Anbauteile. Wir beginnen mit dem Kotflügel. Danach folgen die Brems- und ABS-Leitungen. Anschließend setzen wir das Vorderrad mit frisch gefetteter Achse wieder ein und stecken die Bremssättel auf die Scheiben. Als letztes wird der Lenker wieder in den Klemmböcken geschraubt. Greift nun einige Male in die Bremse. Wenn ihr keinen Gegendruck spürt, hat sich Luft aus dem Ausgleichsbehälter ins System bewegt. Also muss sie entlüftet werden. Bevor es auf die erste Probefahrt geht, checken wir nochmal, ob alle Schrauben wirklich fest sind. Jetzt wünschen wir euch viel Spaß mit der strafferen Gabel.

 

Verwendete Produkte

            

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Niklas Schäfer

motivierter Tourenfahrer, leidenschaftlicher Schrauber und angehender Hobby-Rennfahrer - von allem etwas!

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