Heidenau K80: Erfahrungsbericht nach 2000 Kilometern

Sportreifen müssen nicht immer teuer sein. Wir sind den Heidenau K80 für 2000 Kilometer probegefahren und teilen jetzt unsere Erfahrungen.

Der Heidenau K80

Nach gut 2000 Kilometern mit dem Heidenau K80 auf einer gedrosselten Suzuki SV 650 ABS (Bj. 2017) möchten wir unsere Eindrücke teilen. Vorne nutzen wir den Reifen in den Dimensionen 120/70/17, hinten in 160/60/17. Heidenau hat ihn für sportliche Landstraßenfahrer entwickelt und möchte deshalb viel Grip in der Kurve sowie ein agiles Handling erreichen. Wissenswert ist ebenfalls, dass Heidenau einen Diagonalreifen herstellt. Die meisten Mitbewerber verlegen die Fasern der Karkasse heute radial. Außerdem ist der Reifen für Geschwindigkeiten von bis zu 210 Stundenkilometern freigegeben und damit vor allem für Supermotos und kleinere Naked-Bikes geeignet.

Wir bewegen den Heidenau K80 auf unterschiedlichen Strecken und bei jedem Wetter – auch bei sehr starkem Regen und geringen Temperaturen. Innerhalb der letzten Wochen ist er sowohl auf gut ausgebauten Landstraßen als auch auf holprigen Nebenstraßen verwendet worden. Auf der Autobahn kam er nur kurz zum Einsatz. Insgesamt legen wir einen recht sportlichen Fahrstil an den Tag, gehen aber nicht voll ans Limit und behalten die Straßenverkehrsordnung im Hinterkopf.

 

Genügend Grip bei allen Bedingungen

Das Hauptkriterium für einen guten Reifen ist seine Bodenhaftung. Bei zügiger Fahrt ohne wahnwitziges Beschleunigen schlägt sich der Reifen wunderbar, sofern er eine angemessene Betriebstemperatur erreicht hat. Wenn es noch schneller zugehen soll und sehr viel Schräglage gefahren wird, machen sich leichte Rutscher auf dem Hinterrad bemerkbar. Das Vorderrad stellte in unserer Testphase keinerlei Probleme dar. Hartes Bremsen nimmt der Reifen sehr gut an, sogar bei starkem Regen braucht es vergleichsweise viel Bremsdruck, um das ABS auszulösen. Wenn der Reifen einmal ins Rutschen geraten sollte, lässt er sich schön abfangen. Uns hat es zum Beispiel viel Freude bereitet, das Hinterrad beim Anbremsen leicht stempeln zu lassen und erst kurz vor dem Einlenken wieder zu beruhigen.

Es lohnt sich, die Reifen geduldig warmzufahren, wenn die Außentemperatur unter 20 Grad Celsius liegt. In den ersten Minuten wirkt der Heidenau K80 recht hart und baut seinen vollen Grip erst nach einigen Kurven auf. In dieser Zeit heißt es: Vor der Kurve stark bremsen, die Kurve sicher durchfahren und erst nach der Kurve wieder hart ans Gas. Durch diese Walgbewegungen im Gummi wird die Betriebstemperatur am schnellsten erreicht, um anschließend bedenkenlos schnell zu fahren. Sehr gut gefällt uns, dass der Reifen die Wärme über einen langen Zeitraum speichert. Sollte die zügige Fahrt durch eine rote Ampel, langsame Fahrzeuge oder andere Hindernisse unterbrochen werden, besteht kein Grund zur Sorge. Sobald etwas Temperatur im Gummi ist, kann der Reifen dauerhaft abliefern.

 

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportreifen, arbeitet Heidenau mit einer stärkeren Profilierung. Deshalb schlägt sich der Reifen auch auf sehr nasser Fahrbahn oder schlecht ausgebauten Untergründen erstaunlich gut. Im Regen kann gerne viel Schräglage gefahren werden. Auch hartes Bremsen oder frühes Beschleunigen ist möglich. Wer das Gas aber gerne ruckartig aufzieht, wird Traktionsverluste bemerken; Fahrer mit gefühlvoller Gashand werden auch im Regen viel Spaß haben. Wir selbst sind mit dem Reifen noch nicht auf einer Rundstrecke gewesen und können nur auf der Basis von sehr sportlichen Fahrten auf der Landstraße sprechen. Wir vermuten jedoch, dass die hohen Temperaturen und die deutlich stärkere Belastung auf abgesperrtem Asphalt zu sehr am K80 zehren. Den Rennstrecken-Test holen wir bei Gelegenheit nach.

 

Stabilität trotz Agilität

Auf den ersten 50 Testkilometern ist uns die extreme Agilität des Vorderreifens aufgefallen. Seine spitze Kontur sorgt dafür, dass das Motorrad besonders willig in Schräglage kippt. In mittlerer bis tiefer Schräglage flacht die Kontur spürbar ab. Damit erreicht der Hersteller eine schöne Balance aus agilem Einlenkverhalten und genügend Stabilität in Schräglage. Kurven die zum Ausgang hin enger werden, sind kein Problem, da sich die Radien mit wenig Druck am Lenker korrigieren lassen. Sehr auffällig ist die Spurtreue in der Kurvenfahrt. Selbst wenn der Lenker in geringer Schräglage losgelassen wird, bleibt das Motorrad unten und führt die Kurve fort. Dieses Phänomen ist uns bisher bei keinem anderen Reifen so stark aufgefallen wie beim Heidenau K80. Vor allem auf den ersten Kilometern mit dem Reifen bedarf es viel Konzentration, um sich daran zu gewöhnen. Danach weiß man das minimale Aufstellmoment sinnvoll zu nutzen. Der Reifen lässt sich dank dieser Eigenschaft kinderleicht über den Gasgriff dirigieren. Wenn das Gas in Schräglage langsam geschlossen wird, kippt die Maschine in die Kurve und fährt nach innen. Beim Öffnen während des Herausbeschleunigens stellt sie sich etwas auf und weitet den Kurvenradius.

 

Wenig Eigendämpfung

Der Hersteller empfiehlt für die entsprechende Maschine 2,4 Bar vorne und 2,8 Bar hinten. Diese Empfehlung bezieht sich jedoch auf ein vollbeladenes Motorrad. Daher haben wir den Reifendruck jeweils um 0,2 Bar gesenkt. Der größte Feind des Heidenau K80 sind stärkere Bodenwellen und Schlaglöcher. Leider dämpft er Unebenheiten nur schlecht, solange der oben genannte Reifendruck gefahren wird. Das Vorderrad wird bei kleinen Wellen in Schräglage etwas unruhig, das Federbein schlägt teilweise fast durch, wenn der Hinterreifen durch ein tiefes Loch rollt. Dazu sei gesagt, dass die Suzuki SV 650 ABS wegen des sehr weichen Fahrwerks etwas schneller zu Unsicherheiten bei höheren Kurvengeschwindigkeiten neigt. Mit anderen Sportreifen sind uns diese Probleme jedoch nicht so stark aufgefallen. Erst wenn der Reifendruck um weitere 0,1 Bar vorne und 0,15 Bar hinten gesenkt wird, zeigt sich der Reifen spürbar komfortabler, benötigt aber mehr Aufwärmzeit.

 

Hohe Laufleistung, kleiner Preis

Die leichte Suzuki SV 650 ist mit A2-Drossel auf 35kW/48PS sicherlich kein Reifenkiller, sondern geht eher schonend mit der Gummimischung um. Die Laufleistung des Heidenau K80 hat uns bisher sehr überzeugt. Nach gut 2000 Kilometern ist noch viel Restprofil auf dem Hinterreifen, sodass wir ihm mit der genannten Maschine etwa 6000 bis 7000 Kilometer Laufleistung zumuten. Zum Vergleich: Andere Sportreifen die wir vorher montiert hatten, mussten nach circa 3000-4000 Kilometern ausgetaucht werden. Der Vorderreifen zeigt bisher nur wenig Verschleiß und könnte uns noch weitere 8000 Kilometer begleiten.

Umso erstaunlicher ist es, dass der Heidenau K80 relativ günstig ausfällt. Pro Reifen belastet er das Portmonee um rund 20 Euro weniger als andere Sportreifen in Radialfertigung. In Kombination mit der hohen Laufleistung erweist sich der Heidenau K80 als perfekter Reifen für Sparfüchse.

 

 

Fazit

Alle Motorradfahrer, die auf der Landstraße gern mal mehr Gas geben, sich dabei aber nicht fernab von der StVO bewegen, sind mit dem Heidenau K80 gut bedient. Nachdem er ausgiebig warmgefahren worden ist, macht es viel Spaß, mit dem wendigen Reifen aus Heidenau zügig über die Landstraße zu kurven. Wer höhere Ansprüche hat und gelegentlich auch eine Rennstrecke besucht, wird den K80 dort vermutlich über seinem Limit bewegen. Positiv zu vermerken sind die tolle Agilität am Kurveneingang, die gute Stabilität in Schräglage sowie die einfachen Korrekturen über den Gasgriff. Hingegen negativ bleibt die geringe Eigendämpfung in Erinnerung, die schlechte Asphaltdecken wenig komfortabel macht. Das beste Argument für den Heidenau K80 ist das grandiose Verhältnis aus Laufleistung und Preis, das alle anderen Sportreifen, die wir bisher gefahren sind, um Längen schlägt.

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3 thoughts on “Heidenau K80: Erfahrungsbericht nach 2000 Kilometern”

  • Frank N.

    Hallo Herr Schäfer, Ich fahre nur eine Simson SR 80 läuft c.k. 110 km/H und hab Heidenau K61 Reifen aufgezogen.
    Es sind wahrliche Kilometerfresser und kleben auf Straße, wenn sie ihre Betriebstemperaturen haben.
    Laufleistung am Vorderreifen weit über 20 000 km, Hinterreifen 12 000 km. Ich hab auch schon mal andere Reifen gefahren
    wie Conti, Metzger und Michelin. Aber jeder von denen hatte andere Stärken und Schwächen. Wenn der Straßenbelag im Hochsommer auf 60-70 grad aufgeheizt ist, sind Michelin und Conti zu weich von der Gummimischung und man kann zuschauen wie der Gummi darunter leidet, und es wird schnell die mindest Profiltiefe erreicht. Die Heidenau Gummimischung braucht zwar etwas länger, bis er die Optimale Temperatur hat an kälteren Tagen. Aber dafür im Hochsommer machen ihm die heißen Temperaturen keine Schwierigkeiten. Bei Nässe sollte man mit keinem Reifen Sportlich fahren sondern voraus schauend. Hab viele Motorrad Umfälle live mitbekommen wenn ich alleine unterwegs gewesen bin oder auch in der Kolone.
    Die meisten Umfälle passieren auf kalten nassen Straßen egal welche Reifen Marke aufgezogen waren.
    Mfg Frank

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    • Niklas Schäfer

      Hallo Frank,

      vielen Dank für dein Feedback. Den K61 konnten wir bislang noch nicht testen, daher können wir hierzu kein Urteil fällen. Du hast natürlich Recht: Bei nasser, kalter Fahrbahn gilt besondere Vorsicht. Wir haben in der Vergangenheit jedoch bemerkt, dass vor allem sportlich ausgelegte Reifen auch bei humaner Geschwindigkeit zum Rutschen tendieren. Beim Heidenau K80 lies sich der Gashahn auffällig früh öffnen, ohne dass die Traktion verloren ging.

      Liebe Grüße
      Niklas

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      • Ralf

        Hallo Niklas.
        Toller Beitrag. Sehr informativ und inhaltsstark. Durch Benzingespräche bin ich auf den Heidenau K80 aufmerksam geworden. Bin in den letzten Jahren nur den Heidenau K61 gefahren auf einer Vespa P200E mit knapp 20 PS. Ist nicht unbedingt ein Motorrad 🙂 . Lese aber immer bei den Motorrädern mit, weil ich in der Vergangenheit schon mal zu den Motorrädern rüber gewechselt bin. Interessant ist, dass die Verhaltensmusterbandbreite eines bestimmten Reifens sowohl bei einem Motorrad als auch bei einem Motorroller sehr ähnlich wirkt. Klar wird das Verhalten auch geprägt durch Dimensionierung des Reifens als auch der Gewichtsverlagerung und dem Fahrwerk eines Kraftrades. In Sachen Gripverhalten und Laufleistung, aber auch bei der Eigendämpfung ist der K80 bei einer Vespa PX als auch bei einer Suziki SV 650 ziemlich identisch. Der K80 ist bei mir auf der Wunschliste. Ich bin mal gespannt, wie der sich zum K61 verhält, denn vom “Charakter” her ist der K61 ziemlich identisch. Gerade im Hochsommer bei extrem heißen Temperaturen legen der K61 und der K80 noch eins drauf und kleben regelrecht am Asphalt.

        Herzliche Grüße

        Ralf

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