Hafeneger Renntrainings: Zum ersten Mal auf der Rennstrecke

Viele Motorradfahrer nehmen es sich vor, das eigene Motorrad einmal auf der Rennstrecke zu bewegen. Ein Großteil der Racing-begeisterten schreckt aber zurück. Wir haben uns mit Hafeneger Renntrainings in die Motorsportarena Oschersleben getraut und sind begeistert.

Anreise, technische Abnahme und erste Eindrücke

Wir haben zwei Tage auf der Rennstrecke in Oschersleben bei Hafeneger Renntrainings gebucht. Sobald wir das Fahrerlager am Mittwochabend betreten haben, wurden wir von den vielen Eindrücken gar erschlagen. Während wir mit der vollständig STVO-konformen Suzuki SV 650 anrollten, holten andere Teilnehmer gleich mehrere Supersportler aus Transportern, bauten Reifenstapel auf und richteten ihr Zelt ein. Großer Unmut und viel Aufregung machte sich breit – Hätten wir vielleicht auch mit ähnlichem Equipment anreisen sollen?

Als sich die Gedanken wieder auf das wesentliche fokussiert hatten und die erste Überwältigung langsam verarbeitet worden ist, machten wir uns auf den Weg zur Anmeldung. Dort sind wir sowohl vom Personal als auch von anderen Teilnehmern sehr freundlich begrüßt worden. Nach den ersten Benzingesprächen über Bremspunkte, Scheitelpunkte und Überholmanöver machten wir uns ausgestattet mit Transponder, Startnummer und Gruppenaufkleber wieder auf den Weg zum Motorrad. Um auf der Rennstrecke fahren zu dürfen, müssen einige Anpassungen vorgenommen werden. Glasbauteile wie die Lampe, Blinker oder Protektoren dürfen im Falle eines Sturzes nicht Splittern. Wir haben Protektoren und das Kennzeichen demontiert, Blinker und Lampe blieben hingegen am Motorrad und wurden lediglich mit Textilklebeband gesichert. Damit war die technische Abnahme kein Problem. Ab diesem Zeitpunkt kamen wir langsam aber sicher wieder zu klarem Kopf, denn die erste Hürde war genommen. Jetzt konnte der Abend langsam mit einem Abendessen ausklingen, besonders gut geschlafen haben wir wegen der riesigen Vorfreude trotzdem nicht.

 

Hafeneger Renntrainings Teilnehmer
Manche Teilnehmer reisen mit viel Equipment an

 

Am nächsten Morgen rief um 7 Uhr bereits das Frühstück auf der Rennstrecke. Gestärkt ging es zur Fahrerbesprechung. Auf die Frage, wer zum ersten Mal auf einer Rennstrecke sei, hoben einige der rund 230 Teilnehmer die Hand. Wieder ein Grund für uns, die Nervosität vor dem ersten Turn herunterzufahren. Die Fahrerbesprechung nahm nur rund 15 Minuten in Anspruch, um auf die wichtigsten Informationen und Regeln zum Fahren auf einer Rennstrecke hinzuweisen. Rund eineinhalb Stunden später ging es für die uns zugeteilte Gruppe zum ersten Mal raus auf die Strecke.

 

Der erste Turn auf der Rennstrecke

Der Moment, wenn die Ausfahrt der Boxengasse zum ersten Mal verlassen wird, ist unbeschreiblich. Plötzlich sind alle Gedanken weg und der Blick folgt nur noch dem Streckenverlauf. Obwohl der Kopf vorher ganz durcheinander war, ist er nun frei. Ein ganz anderes Gefühl als das einfache Fahren auf der Straße. Zum Glück hatten wir uns im Vorfeld einige Streckenvorstellungen angeschaut. Somit wussten wir grob, welche Kurven auf uns warten. Die ersten Runden ließen wir sehr entspannt angehen, um nicht nur das Motorrad und die Reifen auf Temperatur zu bringen, sondern auch die Gedanken vollständig zu sammeln. Anfangs ist es beängstigend, wie schnell die anderen Teilnehmer rechts und links vorbeifliegen. Ein Anfängerfehler von uns: Wir haben uns auch nach hinten orientiert, um den deutlich schnelleren Fahrern Platz zu machen. Nach dem ersten Turn kam Chef und Instruktor Philipp Hafeneger auf uns zu, um darauf hinzuweisen, dass der Blick immer nach vorn gerichtet sein sollte. Alles andere erschwert den Überholvorgang für die anderen Teilnehmer nur unnötig. Gleichzeitig lobte er aber unseren Hanging-Off-Stil, der von außen wohl sehr schön anzusehen sei. Das hat viel Sicherheit in den Sinn gebracht!

 

Hafeneger Renntrainings Instruktion
Instruktor und Schüler werden durch Warnwestern gekennzeichnet

 

Einzelinstruktion mit Philipp Hafeneger

Im zweiten Turn wartete eine Einzelinstruktion mit Philipp auf uns. Zunächst fuhr er einige Runden vor, um die korrekte Linienführung zu demonstrieren. Danach wurden die Positionen getauscht und wir fuhren für die zweite Hälfte des Turns vor. Wieder angekommen in der Box wurden uns die Fahrfehler per Videoanalyse gezeigt. Darunter vor allem zwei Punkte: zu hartes Abbremsen und zu frühes Einlenken.

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Durch diese Fehler fehlt der Schwung am Kurvenausgang und der Topspeed auf der Geraden. Grob geschätzt schlichen wir noch mit über Zweieinhalb Minuten um den Kurs und erreichten am Ende der Start-Ziel-Geraden nur gut 150 Kilometer pro Stunde. Philipp erklärte uns anhand des Videos, an welchen Stellen der Scheitelpunkt gesetzt werden sollte und malte es auf einer gedruckten Streckenkarte ein. Zusätzlich nannte er einige Anhaltspunkte, die bei der Wahl des Brems- und Einlenkpunktes helfen. Plötzlich konnten wir auch gut nachvollziehen, worüber die anderen Personen am Vorabend gesprochen hatten. Uns war zwar vorher bewusst, dass sich Rennfahrer gern an, Brücken, Curbs, Linien oder anderen markanten Punkten orientieren. So genau, wie es der Instruktor erklärte, aber nicht. Allein die Instruktion samt Videoanalyse und Hanging-Off-Tipps hat unsere Linie bedeutend verbessert. Auch das Vertrauen in Motorrad und Reifen wuchs stetig. Wer sich zum ersten Mal auf eine neue, unbekannte Rennstrecke begibt, sollte auf jeden Fall die zusätzlichen Euros in eine Einzel- oder Gruppeninstruktion investieren. Im Laufe des Tages konnten wir die persönliche Bestzeit deutlich nach unten korrigieren. Am Ende des Tages war eine Zeit von 2:10,4 im System vermerkt. Dafür, dass wir mit einem auf 48 Pferdestärken gedrosselten Naked Bike unterwegs waren, schon gar nicht übel.

 

Verpflegung, Trackwalk und Verlosung

Die Verpflegung an den beiden Renntagen war im Preis enthalten. Frühstück, Mittagessen, Abendessen, Kaffee, Kuchen und natürlich Wasser mussten also nicht zusätzlich bezahlt werden. Ebenfalls kostenlos waren die kleinen Abendveranstaltungen. Nach dem Abendessen machten wir uns gemeinsam mit Philipp und Jürgen vom Hafeneger-Team auf zum Trackwalk. Bei diesem Streckenrundgang wird die Rennstrecke zu Fuß betreten und einmal im Detail erklärt. Natürlich verriet Philipp hier einige Punkte, die bereits aus der Einzelinstruktion bekannt waren. Dazu kamen jedoch noch viele weitere Details, die vorher nicht aufgefallen sind. Beispielsweise kommen Höhenunterschiede, Bodenwellen, Überhöhungen oder andere Gripverhältnisse auf dem Motorrad kaum zur Geltung. Beim Rundgang wird aber schnell klar, dass einige Kurven deutlich schneller durchfahren werden können, was die Motivation für den Folgetag erhöhte.

 

Hafeneger Renntrainings Tests
Vor Ort können verschiedene Motorräder, Helme und Handschuhe getestet werden

 

Alle Teilnehmer, die einen Bewertungsbogen zur Veranstaltung ausfüllten und nach dem Streckenrundgang mit den anderen Teilnehmern zusammensaßen, nahmen an einer Verlosung teil. Die Preise reichten von Kaffeetassen, über Einkaufsgutscheine für Reifensätze und Streckenfotos bis hin zu einem Satz Reifenwärmer. Auch wir hatten das Glück, einen der Preise zu ergattern – Eine kostenlose Probefahrt mit einer Suzuki GSX-R1000 R für einen Turn. An dieser Stelle ein kleiner Fun Fact: Mit der 48PS schwachen Suzuki SV 650 brachten wir das schwächste Motorrad im Fahrerfeld mit. Bei der nächsten Veranstaltung werden wir den Gutschein einlösen und natürlich davon berichten, wie sich der Sprung vom gedrosselten V2-Bike auf unfassbare 202 PS im brachialen Supersportler anfühlt.

 

Neue Ziele für Tag 2

Gepackt mit dem vielen neuen Wissen ging es am Morgen des zweiten und letzten Tages wieder auf die Strecke. Am zweiten Tag kamen einige andere Teilnehmer leider zu Sturz. Sie brachten teils Maschinen ins Fahrerlager zurück, die nur noch grob an das ehemalige Motorrad erinnerten. Leider gehören Stürze zum Fahren auf der Rennstrecke dazu – Wer das Limit von Mensch und Maschine austariert, geht auch darüber hinaus und landet im Kiesbett. Deshalb lautete unser Ziel: Nicht stürzen!

Die größte Angst von Motorradfahrern sind Betriebsmittel auf dem Asphalt. Auf der Piste stellen Kühlmittel, Öl und andere Flüssigkeiten sogar noch größere Gefahren dar. Schließlich sind die Geschwindigkeiten und die Schräglage deutlich höher. Vor allem auf nicht-profilierten Slick-Reifen, die bei trockenem Untergrund magischen Grip produzieren, geraten bei Schmiermitteln besonders schnell ins Rutschen. Hier möchten wir ein großes Lob an den Veranstalter aussprechen: Sobald solche Gefahrenquellen nach Stürzen ausfindig gemacht wurden, wurden die Ölspuren schnell beseitigt. Die nachfolgenden Turns verzögerten sich in der Regel nur um wenige Minuten. Aus unserer Sicht eine einwandfreie Arbeit!

 

Erster Ausritt ins Kiesbett

Trotz der Stürze der anderen konnten wir die eigene Rundenzeit immer weiter verbessern, bis wir in den Kurven sogar gut mit anderen Teilnehmern mithalten konnten, obwohl das Motorrad klar unterlegen war. Im letzten Turn vor der Heimfahrt wollten wir noch einmal die Rundenzeit nach unten drücken und gaben alles. Immer schnellere Rundenzeiten und stark verschleißende Reifen waren die Konsequenz. Dann geschah, was passieren musste: Beim Hereinbremsen in eine schnelle Rechtskurve nach der Gegengeraden blockierte das Vorderrad. Als dieses wieder Haftung gewann, aber nicht in Fahrtrichtung zeigte, wurde das Hinterrad leicht und begann zu pendeln. Als kein Ausweg als der gerade Weg ins Kies übrigblieb, richteten wir die Maschine auf und bremsten kurz hart ab, bevor der Asphalt endete. Mit rund 80 Kilometern pro Stunde rauschten wir ins Kiesbett. Beide Räder pendelten stark hin und her, plötzlich waren wir nur noch Beifahrer. Im Kopf war der Fahrfehler bereits als Sturz verbucht. Zum Glück wurde das Lenkerschlagen nach gut 20 bis 30 Metern langsam schwächer und wir konnten das Motorrad fangen. Zum Glück war kein Kratzer an der Maschine zu finden, nur drei Kieselsteine steckten im Stiefel. Noch leicht überwältigt vom Rutscher ging es zurück in die Box und auf den Heimweg.

 

Hafeneger Renntrainings Fahrerlager
Das Teilnehmerfeld umfasst nicht nur Supersportler

 

Fazit

Mit Hafeneger Renntrainings hatten wir ein wunderbares erstes Mal auf der Rennstrecke. Alle anfänglichen Ängste sind uns schnell genommen worden. Die Organisation der gesamten Veranstaltung hat uns sehr gut gefallen. Im Vorfeld wurden wir per Mail bestens informiert, vor Ort konnten wir bei Fragen jederzeit mit dem Personal sprechen und sind stets freundlich aufgenommen worden. Für Einsteiger, die gern noch Theorieunterricht und zusätzliche Instruktionen mitnehmen möchten, bietet sich die Rookie-Schule an. Auch vor Ort reiht der Veranstalter einige Partner auf, die den Teilnehmern eine schöne Zeit auf der Rennstrecke bieten. Ob Reifenservice, Ersatzteile, Motorradverleih oder eine Massage – alles war vertreten. Wir werden auf jeden Fall weitere Veranstaltungen besuchen – allein, um die Probefahrt mit der GSX-R1000 R zu absolvieren.

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Ein Gedanke zu & ldquo;$ s & rdquo;

  • Jochen

    Danke für die Info….sehr interessanter Blog.

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